Gemeinde Sandhausen

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Viele Fragen bei Öffentlicher Waldbegehung

Artikel erschienen am 13.12.2021

Förster und Gemeindeverwaltung beantworteten viele Fragen zur Zukunft des Sandhäuser Waldes

Nachdem sich die Mitglieder des Gemeinderats Anfang September über den Zustand des Waldes informiert hatten, waren jüngst auch die Mitbürgerinnen und Mitbürger zu einer öffentlichen Waldbegehung eingeladen. Das Interesse im Vorfeld war überaus groß – die 30 verfügbaren Plätze innerhalb weniger Tage vergeben. Da die Veranstaltung aufgrund der bundesweit angespannten Corona-Situation jedoch unter „2G plus“-Bedingungen abgehalten werden musste, nahmen schließlich noch ein gutes Dutzend Interessierte an der zweistündigen Führung teil. „Unserer Gemeinde liegt das Thema Wald sehr am Herzen. Umso mehr freue ich mich über die fachkundige Unterstützung durch die Forstverwaltung“, begrüßte Bürgermeister Hakan Günes die Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Revierförster Robert Lang und Forstbezirksleiter Philipp Schweigler erläuterten, vor welchen Herausforderungen der Wald in Sandhausen steht: Neben den heißen und trockenen Sommern, die vor allem dem Kiefern- und Buchenbestand zugesetzt haben, hat insbesondere die massenhafte Vermehrung von Maikäfer-Engerlingen zu Problemen bei der Verjüngung des Baumbestands geführt. Aber auch nicht-heimische Pflanzenarten wie die Spätblühende Traubenkirsche und die Amerikanische Kermesbeere treiben die Förster um. Hinzu kommen Probleme wie Wildverbiss durch Rehe und der Befall durch den Diplodia-Pilz, der Nadeln und junge Äste nachhaltig schädigt. Betroffen sind sowohl Flächen im gemeindeeigenen Wald, für den das Kreisforstamt zuständig ist, als auch im Staatswald, für den das Land Baden-Württemberg verantwortlich ist.

Bürgermeister Hakan Günes war wichtig, gemeinsam mit der Forstverwaltung für Fragen aus der Bevölkerung zur Verfügung zu stehen und gleichzeitig Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen. „Wir müssen uns fragen, welchen Zukunftswald wir haben wollen, und gemeinsam Lösungen finden, die nachhaltig sind“, so Günes. Mehrere Flächen wurden bereits mit neuen, klimaresistenteren Bäumen bepflanzt – darunter Deutsche Eichen, Roteichen, Baumhaseln, Feldahorn und Linden. „Die Anwuchserfolge stimmen uns optimistisch“, berichtete Revierförster Lang aus der Praxis. Auf 40 Hektar wurden bereits Maßnahmen umgesetzt – rund ein Sechstel des Gemeindewalds. Um die Förster bei ihrer Arbeit zu unterstützen, hat die Gemeinde die Zuschüsse für den gemeindeeigenen Wald seit 2018 sukzessive erhöht – von ehemals knapp 40.000 auf heute rund 250.000 Euro pro Jahr. In seiner Novembersitzung hatte der Gemeinderat jüngst grünes Licht für den neuen Betriebsplan für das Forstwirtschaftsjahr 2022 gegeben.

Die Teilnehmer der Waldbegehung fragten bei vielen Punkten nach – dabei ging es unter anderem um den Grundwasserspiegel, um Schädlingsbefall, die Auswahl neuer Baumarten, waldtypische Gefahren oder Bodenverdichtung durch den Einsatz von Erntemaschinen. Die Forstexperten standen ausführlich Rede und Antwort und konnten auch einige Befürchtungen seitens der Fragenden ausräumen. So ist der Grundwasserspiegel im Bereich des Rheingrabens noch gut gefüllt, das temporäre Bewässern von Neuanpflanzungen im Wald daher unproblematisch. Mehrfach wurde die Verkehrssicherungspflicht im Wald angesprochen – so müssen die Förster kranke und morsche Bäume und Äste entfernen, damit Spaziergänger und Fahrradfahrer entlang der Wege keinen Gefahren ausgesetzt sind. Revierförster Robert Lang erinnerte die Teilnehmer daran, dass Waldarbeiter einen der gefährlichsten Jobs in Deutschland ausüben; der Einsatz von schwerem Erntegerät sei daher auch eine Frage des Arbeitsschutzes. „Die Maschinen sehen imposant aus, sie fahren aber nur auf wenigen ausgewählten Wegen und schonen so 80 bis 85 Prozent des Waldbodens. Auch die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt bestätigt, dass der Einsatz dieser Maschinen die schonendere Art ist“, erklärte Lang.

Auch die rasante Ausbreitung der Kermesbeere wurde angesprochen. Hier warben Forst- und Gemeindeverwaltung für klar kommunizierte Regeln im Vorfeld von Sammel-Aktionen, um Konflikte mit Jagdpächtern und dem Naturschutz zu vermeiden. „Ehrenamtliches Engagement beim Thema Kermesbeere ist sehr willkommen. Um die Hilfe besser zu koordinieren, ist ein gemeinsamer Termin mit Forstvertretern und Ehrenamtlichen geplant“, versprach Günes. Aber auch hier hat die Forstverwaltung bereits einiges getan: Auf gut 40 Hektar Fläche wurden nicht-heimische Arten bekämpft; dies entspricht gut einem Viertel der Sandhäuser Waldfläche.