Gemeinde Sandhausen

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Bürgermeister Albert Schmitt

In der vergangenen Woche berichteten wir über die Bürgermeisterwahl 1952, aus welcher der Bewerber Albert Schmitt als Sieger hervorging.

Wer war Albert Schmitt?
Geboren am 20.11.1897 in Sandhausen und aufgewachsen in der Schützenstraße besuchte er die hiesige Volksschule (so hieß das damals). Anschließend absolvierte er eine dreijährige kaufmännische Lehre und trat im Mai 1915 als kaufmännischer Angestellter in die Firma H. Fuchs Waggonfabrik, Heidelberg, ein. Hier blieb er bis September 1922, wobei diese Zeit durch 2 Jahre als Soldat unterbrochen war. Aus dem Krieg kam er als Schwerbeschädigter zurück. Zwischen 1922 und 1926 war er selbständig und betrieb eine Bürstenfabrik. Ab 1926 arbeitete er bei der Firma Gebrüder Regensteiner, Pinselfabrik, in Nürnberg. Hier stieg er in der Karriereleiter hoch und wurde 1940 zum Geschäftsführer ernannt.

Bei dieser Firma blieb er bis zu seiner Wahl als Bürgermeister von Sandhausen.
Am 3. November 1922 ehelichte er vor dem Standesbeamten in Sandhausen Frau Katharina (genannt Kätchen) Hauerwas aus Sandhausen. Der Ehe entstammten 3 Kinder.

Am 5. Dezember 1952 wurde er in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung im „Grünen Baum“ in sein Amt eingeführt. Bürgermeisterstellvertreter Ludwig Schneider verpflichtete Albert Schmitt und übergab ihm in feierlicher Form die Schlüssel des Rathauses. Er sagte dem neugewählten Bürgermeister die Unterstützung des Gemeinderates zu. Auch alle anderen Fraktionen im Gemeinderat sagten ihre Unterstützung bei den anstehenden, schwierigen Arbeiten zu. Insbesondere die nach wie vor bestehende Wohnungsnot zu beseitigen, sei ein zentrales Problem. Es wurde bedauert, dass man Albert Schmitt heute nicht die Amtskette überreichen konnte, da diese von den Amerikanern mitgenommen worden war.

In seiner ersten Ansprache als Rathauschef dankte er für die Glückwünsche und betonte, dass gegenseitiges Vertrauen wichtig sei.

Seine erste „Arbeitssitzung“ am 9.12.1952 bot ihm bereits die breite Palette der Kommunalverwaltung und Kommunalpolitik: Baudarlehensanträge, Besetzung des Friedensgerichtes, Bebauungsplan, Wühlmäusebekämpfung, Straßenauffüllungen, Neubesetzung des Friedensgerichtes (Albert Schmitt wurde zum Vorsitzenden bestimmt), Haushaltswesen, Darlehensaufnahme für Bauarbeiten, und noch ein paar kleinere Angelegenheiten,  waren zu beraten und zu beschließen

Finanziell war die Gemeinde seinerzeit alles andere als auf Rosen gebettet. Der Haushalt wies einen Fehlbetrag aus. Die zahlreichen, dringend erforderlichen Maßnahmen zur Beseitigung von Kriegsschäden hatten ihre Spuren hinterlassen.

Wir konnten nachlesen, dass das Haushaltsvolumen im Jahre 1954 650.000.- DM (entspricht ca. 332.300.- Euro) betragen hat. Natürlich war dies damals mehr wert als heute, aber trotzdem stellen wir zum Vergleich die Zahlen aus 2020 daneben: Das Haushaltsvolumen beträgt 40 Millionen Euro.

Herr Günter Wittmann vom Verkehrs- und Heimatverein und der Verfasser dieser Zeilen durften im vergangen Jahr Nachfahren von Albert Schmitt besuchen: Seine Schwiegertochter, die in Sandhausen lebt und eine Enkelin, die in der Nähe von Göppingen lebt. Dabei konnten wir auch einiges über die Persönlichkeit Albert Schmitt erfahren.

So hörten wir u.a., dass Albert Schmitt ein beliebter und geachteter Mitbürger war und von vielen zur Kandidatur aufgefordert wurde. Sein Handeln war geradlinig und korrekt und es gab für ihn auch keine Bevorteilungen, auch nicht für Verwandte. So durften wir hören, dass Verwandte von ihm eine gemeindeeigene Wohnung wünschten, aber noch nicht verheiratet waren. Albert Schmitt lehnte eine Zuteilung ab, bestand darauf, dass erst geheiratet werden müsse und man danach über eine Wohnung reden könne. Und so geschah es dann auch.

Ein großes Anliegen von Albert Schmitt war, sich um die Mitbürgerinnen und Mitbürger zu kümmern und zu helfen, wo er helfen konnte.

Das ist aber nur die eine Seite. Es gibt auch bemerkenswerte Dinge aus seiner Amtszeit zu berichten.

Über die Erschließung des Baugebietes „Große Lach“ haben wir in den Gemeinde-Nachrichten bereits berichtet.

In der Amtszeit von Adam Mattern konnten natürlich nicht alle kriegs- oder altersbedingten Schäden beseitigt werden, aber es wurden in der Amtszeit von Albert Schmitt viele Straßen erneuert, zum Beispiel die Friedrich-Ebert-Straße, die Bandholzstraße, die Poststraße, die Herchheimer Straße und andere.

Die Baulandumlegung im Bereich Burgstraße und Banngartenstraße konnte abgeschlossen und somit zur Bebauung freigegeben werden.

Die Fortführung des Wohnungsbaues und damit Linderung der Wohnungsnot war nach wie vor ein großes Problem, wie dies auch bei seiner Amtseinführung deutlich gemacht wurde. Die Gemeinde hat auch während der Amtszeit von Albert Schmitt in finanziell schwierigen Zeiten ihren Beitrag geleistet. Neben zur Verfügungstellung von Baugelände zu günstigem Preis hat die Gemeinde private Bauherren mit Bürgschaften bei Wohnungsbaudarlehen unterstützt.

Auf Initiative von Albert Schmitt wurde im Jahre 1953 der Telefon-Selbstwähldienst nach Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen eingerichtet. Hierzu stand am 16.12.1953 in der Presse: „Ab Donnerstag, 17. Dezember 1953 wird auf Selbstwähldienst umgestellt. Die Nummern in Sandhausen, Nußloch und St. Ilgen können künftig direkt angewählt werden. Mit den Teilnehmern des Ortsnetzes Walldorf sind Gespräche mit der Vorwahl ‚7‘ anwählbar. Nach Heidelberg muss man die ‚9‘ wählen, nach Mannheim und Ludwigshafen ‚904‘. Bei Ferngesprächen nach Karlsruhe, Stuttgart usw. ist die ‚903‘ als Vorwahl erforderlich, worauf sich dann Heidelberg meldet und alles Weitere unternimmt. Die Geschäftswelt der näheren Umgebung ist zweifellos recht froh darüber, dass in der Abwicklung des immer umfangreicher werdenden Fernsprechverkehrs eine wesentliche Erleichterung eintritt.“

Bei der Kreistagswahl am 15. November 1953 wurde Albert Schmitt als Mitglied dieses Gremiums gewählt.

Trotz allen beruflichen Anspannungen galt Albert Schmitt auch als fröhlicher und humorvoller Mensch.

Mit großer Freude durften wir bei dem Besuch zwei Bilder ausleihen, die hier abgedruckt sind. Wir bedanken uns bei den Nachfahren für diese Bilder und für die Erlaubnis, diese hier abzudrucken.

Wie wir auch erfahren durften, erfüllte es Albert Schmitt mit tiefer Zufriedenheit, dass er, schon schwer krank, gemeinsamen Besuch vom katholischen und evangelischen Pfarrer erhielt. Schmitt selbst war evangelisch. 1954 gab es noch nicht so ein gutes Miteinander zwischen den Kirchen, wie dies heute selbstverständlich ist.

Albert Schmitt verstarb am 18. August 1954 in Heidelberg. Bürgermeisterstellvertreter Schneider ordnete eine Sondersitzung des Gemeinderates an diesem Tage an. Hierbei gedachte der Gemeinderat durch Einlegung einer Schweigeminute des Ablebens von Albert Schmitt. In seiner Ansprache vor dem Gemeinderat würdigte der Bürgermeisterstellvertreter die Verdienste von Albert Schmitt, die er sich trotz seiner kurzen Amtszeit erworben hatte. Es wurde herausgestellt, dass sich Albert Schmitt völlig uneigennützig und mit all seinen Kräften jederzeit für das Wohl der Gemeinde und seiner Bürger eingesetzt hat.

Albert Schmitt wurde am 21. August 1954 in Sandhausen feierlich beigesetzt. Seine Frau verstarb 1991 in Heidelberg.

Die Gemeinde Sandhausen hat sein Wirken dadurch gewürdigt, dass eine Straße nach ihm benannt wurde: Die bisherige „Pferdstriebstraße“ erhielt dann den Namen Albert-Schmitt-Straße“.
Wilfried Hager
 
Persönliche Anmerkungen des Verfassers
Für die Artikel „Zeitreisen Sandhausen“ habe ich viele anerkennende und dankende Worte erhalten. Dies hat mich sehr gefreut und spornt mich an, zu diesem Thema intensiv weiter zu arbeiten. Freuen Sie sich in den kommenden Monaten auf weitere Veröffentlichungen zum örtlichen Geschehen in der Vergangenheit und zu Persönlichkeiten, die mittlerweile (fast) in Vergessenheit geraten sind. Urlaubsbedingt werden aber in den nächsten 2-3 Wochen keine „Zeitreisen“ veröffentlicht. Bitte haben Sie hierfür Verständnis.
Wilfried Hager