Gemeinde Sandhausen

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Zum Gedenken an Bürgermeister Adam Mattern

Er war ein echtes Sandhäuser Urgestein: Der am 10. Mai 1890 in Sandhausen geborene frühere Bürgermeister Adam Mattern. Zweimal war er Bürgermeister unserer Gemeinde, in jeweils schweren Zeiten: 1928 bis 1933 sowie von 1945 bis 1952.
Vor seiner Bürgermeisterzeit arbeitete er als Sortiermeister einer Tabakwarenfabrik. Als Soldat im ersten Weltkrieg wurde er schwer verwundet und in Schweizer Internierung untergebracht. Nach der Heimkehr ergriff er einen kaufmännischen Beruf beim Elektrotechnikkonzern Brown, Boveri & Cie in Mannheim.

Seine politische Karriere begann 1923, als er in den Gemeinderat einzog. 1928 wurde er auf die Dauer von 9 Jahren zum Bürgermeister gewählt und trat sein Amt am 1. Oktober 1928 an. Seine Bestrebungen, Sandhausen zur Tabak-Metropole auszubauen, waren erfolgreich, wodurch viele Arbeitsplätze im Ort geschaffen wurden.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten galt der überzeugte Sozialdemokrat nicht mehr als politisch zuverlässig und so musste der engagierte Rathauschef trotz aller Verdienste seinen Bürgermeisterstuhl räumen. Ein Schicksal, das er mit vielen anderen, nicht linientreuen Politikern teilte.

Im Gemeinderatsprotokoll vom 14. September 1933 ist zu lesen: „Vom Erlass des Ministeriums des Innern vom 29. August 1933 bzw. der Verfügung des Bezirksamts Heidelberg vom 11. September 1933, Dienstentlassung des Bürgermeisters Mattern betreffend, wird in heutiger Sitzung Kenntnis genommen. Mattern erhält seine bisherigen Dienstbezüge bis einschließlich 12. Dezember 1933 aus der Gemeindekasse. Auf 13. Dezember 1933 ist die Zahlung einzustellen“.

In den folgenden Jahren wechselten Zeiten der Arbeitslosigkeit und kurzfristige Beschäftigungen. Den Akten des Generallandesarchives Karlsruhe ist zu entnehmen, dass er selbständiger Düngemittelhändler war, einen Tabakreinigungsbetrieb eröffnete und zeitweise bei seinem früheren Arbeitgeber, der Firma Brown, Boveri & Cie arbeitete. Dazu gesellten sich Zeiten der Arbeitslosigkeit.

Im April 1945 setzte die amerikanische Militärregierung Adam Mattern wieder in sein Amt ein, das er am 14. April 1945 antrat. Offiziell wurde er dann 1948 gewählt und er musste die Gemeinde nach dem Krieg durch schwerre Zeiten steuern.

Auch an Sandhausen war der Krieg schließlich nicht spurlos vorbeigegangen. Denn neben der Beseitigung von Kriegsschäden kam auf die Gemeinde ein erhebliches Problem zu: Die Beseitigung von Wohnungsnot, wie dies im ganzen Lande der Fall war. Kurz nach Kriegsende kamen bereits vereinzelt die ersten Heimatvertriebenen nach Sandhausen. Die großen Transporte nach Westdeutschland setzten jedoch erst im Frühjahr 1946 ein. Sandhausen hatte etwa 6.000 Einwohner und bekam rund 1.200 Heimatvertriebene aus dem Osten zugewiesen, die mit Wohnraum versorgt werden mussten. Um dies zu ermöglichen, wurden Wohnräume privater Gebäudeeigentümer beschlagnahmt und Vertriebene eingewiesen. Dass dies auf keine große Gegenliebe stieß, lässt sich an einem Beschluss des Gemeinderates vom 10. Mai 1946 erkennen: „Der Gemeinderat erhebt zu Beschluss, dass Familien, denen Flüchtlinge zugewiesen werden und eine Aufnahme ablehnt unverzüglich ihre eigene Wohnung zu räumen haben. Die derzeitigen Vorgänge wegen Unterbringung der Vertriebenen haben den Gemeinderat veranlasst, diesen drastischen Beschluss zu fassen.“

Neben privaten Gebäuden wurde auch das Schulhaus zur Unterbringung von Vertriebenen in Anspruch genommen, aus dem erst 1949 die letzten Heimatvertriebenen auszogen.

Auf Initiative von Adam Mattern wurde am 7. Januar 1949 ein Hausbauverein gegründet. Bau- und Wohnungsinteressenten konnten sogenannte Bausteine erwerben und damit dem Hausbauverein ein Grundkapital verschaffen. Erster Erfolg dieser Bemühungen waren die erstellten Häuser in der Philipp-Schmitt- und der Robert-Koch-Straße. Die unter Adam Mattern begonnene Wohnungsbaupolitik wurde später, nach seinem Tode, von seinen Nachfolgern Albert Schmitt und anschließend Walter Reinhard erfolgreich weitergeführt.

Alleine hätte Adam Mattern diese Aufgabe nicht bewältigen können sondern wurde dabei in erheblichem Maße von Ratsschreiber Michael Petri und Gemeinderat Albert Diem unterstützt.

Denn neben der Wohnungsnot fielen Straßenausbesserungen, Herstellung und Erneuerung der Kanalisation, Erstellung einer Trauerhalle und vieles mehr in die Amtszeit von Adam Mattern. Und das alles bei äußerst knappen Finanzmitteln der Gemeinde.

Die Gemeinde hatte darüber hinaus den Wunsch, am südwestlichen Ortsrand ein Industriegebiet auszuweisen. Viele Zuteilungen an Firmen wurden vom Gemeinderat beschlossen, jedoch kaum ein Vorhaben realisiert. Es ist zu vermuten, dass die wirtschaftliche Situation in Deutschland hierfür verantwortlich war. Bevor dieses Vorhaben scheiterte und das Gebiet in Wohnbebauung umgewandelt wurde, hatte die Gemeinde eine Bahnführung – Industriegleis – vom Bahnhof St. Ilgen zu dem geplanten Industriegebiet angedacht. Pläne und Kostenberechnungen wurden erarbeitet. Was heute sicherlich den wenigsten bekannt sein dürfte: Diese Trasse hätte durch das heutige Baugebiet Große Mühllach geführt sowie durch den Bereich, auf welchem sich die Gebäude Karlsbader Straße 1 – 16 befinden.

Anlässlich seines 60. Geburtstages, 1950, schrieb die Rhein-Neckar-Zeitung unter anderem: „Sein Optimismus ließ ihn auch die Enttäuschung über die jetzt fehlgeschlagene Industrialisierung überwinden. Neue Vorhaben, wie Schwimmbad, Volkspark usw. bewegen ihn, doch stehen im Augenblick all diese Dinge vor der Notwendigkeit des Bauens. 10 Doppelhäuser will Bürgermeister Mattern auch in diesem Jahr bauen. (Anmerkung der Gemeindeverwaltung: 36 Neubauten waren bis dahin schon erstellt) „Jetzt wird erst mal gebaut“ meinte Adam Mattern, um dann noch überzeugt hinzuzufügen, dass die Industrie auch noch käme.“ - Die Realisierung eines Gewerbegebietes durfte Adam Mattern jedoch nicht mehr erleben.

Ein weiteres Projekt war die Einrichtung einer Ortsrufanlage. Im Heidelberger Tageblatt vom 23. Juni 1949 war hierüber zu lesen: „Die Sprechzentrale erfreut sich größter Beliebtheit des Bürgermeisters selbst, welcher häufig das Amt des Ansagers persönlich übernimmt“.

Im Jahre 1952 erkrankte Adam Mattern schwer und der Gemeinderat beschloss mit Wirkung vom 1. Oktober 1952 sein Ausscheiden aus dem Ortsgremium. Noch einen Tag zuvor, am 30. September 1952, leitete er seine letzte Gemeinderatssitzung. Wenige Monate später, am 5. Juni 1953 verstarb Adam Mattern. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde er am 8. Juni 1953 beigesetzt. Seine Ehefrau Barbara Kirchgessner, mit der er zwei Kinder hatte, verstarb im Jahr 1969.


V.l.n.r.: unbekannt, Bürgermeister Adam Mattern, Gemeinderat albert Diem, Ratsschreiber Michael Petri

V.l.n.r.: unbekannt, Bürgermeister Adam Mattern, Gemeinderat albert Diem, Ratsschreiber Michael Petri

Neben seiner Tätigkeit als Bürgermeister war Adam Mattern 2. Vorsitzender des Verbandes badischer Bürgermeister und Mitglied des Kreistages. Seine knapp bemessene Freizeit nutzte er für seine große Leidenschaft: die Jagd.

Trotz seiner relativ kurzen Amtszeit nach dem Krieg konnte Adam Mattern viel für die Gemeinde Sandhausen bewirken. Die Adam-Mattern-Straße soll dieser Lebensleistung gedenken.

Wilfried Hager