Gemeinde Sandhausen

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Über die Namen jüdischer Opfer soll man künftig stolpern

Gegen das Vergessen und dass man vielleicht auch mal wirklich darüber stolpert. Dafür stehen die „Stolpersteine“ die messing-golden in die Gehsteige vieler Städte und Gemeinden eingelassen sind. In Sandhausen hat sich der Gemeinderat nun auf Antrag der SPD damit befasst und dem Ansinnen zugestimmt. Bereits zu Beginn des Jahres hat das Gesangsduo Kraft & Krebs diesen Wunsch an die Gremien herangetragen und mit der Verwaltung, den Kirchen, dem Heimatverein, der Jüdischen Kultusgemeinde Heidelberg und den Sandhäuser weiterführenden Schulen Kontakt aufgenommen. Bekannt sind Rainer Kraft und Sascha Krebs durch ihre musikalischen Auftritte und die seit Jahren auch in Sandhausen durchgeführten Open-Air Konzerte. „Wir verfolgen das Projekt schon seit zwei Jahren und haben uns intensiv mit anderen Organisationen darüber unterhalten“, erzählte Rainer Kraft im Nachgang zur öffentlichen Gemeinderatssitzung. Das Projekt des Künstlers und Kölner Bildhauers Gunter Demnig ist europaweit bekannt und inzwischen sind über 50.000 Steine verbaut. Die Messingtafeln mit den Maßen 96 auf 96 auf 100 Millimeter sollen in Sandhausen an sieben Stellen in den Gehsteig verlegt werden. Gedacht ist an den Platz neben der Synagoge, beim alten Feuerwehrhaus, Eiscafé Bunker und City-Bau, alle an der Hauptstraße sowie Bahnhofstraße / Ecke Hauptstraße und in der Schulstraße beim Vereinshaus Dorfschänke. Gedacht werden soll an die in Sandhausen geborenen jüdischen Mitbürger Kaufmann Freund, Bertha Hecht, Berta Kahnheimer, Friederike Kaufmann, Ida Marx, Isaac Isaak Marx, Moritz Marx, Sara Marx, Julius Wahl und Ludwig Wahl. Alle diese Opfer werden einen eigenen Stolperstein erhalten. Der Antrag der SPD ruft dazu auf, dass die „Initiative Stolpersteine“ von Rat und Verwaltung positiv unterstützt wird. Der Bauhof soll die Arbeiten tatkräftig begleiten durch die Bereitstellung von Gerätschaften und Maschinen. Das Projekt soll zudem pressemäßig im Gemeindeblatt aufbereitet werden. „Es geht um die Erinnerung an böse Zeiten, wo Mitbürgerinnen und Mitbürger zu bloßen Nummern degradiert wurden“ stellte Bürgermeister Georg Kletti fest. Die Erinnerungen sollen wachgehalten und durch die Stolpersteine erfahrbar werden. Er zeigte sich erfreut, dass Kraft & Krebs dieses Projekt leiten und Verantwortung übernahmen. „Sich der Geschichte stellen“, das befürwortete Jonas Scheid (SPD) in seinem Beitrag. Etliche Sandhäuser seien zwischen 1933 und 1945 entrechtet und enteignet und in Konzentrationslager verfrachtet worden. „Diese Gräuel können wir nicht ungeschehen machen“, so Scheid. Für Uwe Herzog (CDU) ist es ein wichtiges und sensibles Thema, „Hut ab vor den Initiatoren“. Er begrüßte insbesondere die Mitarbeit der Schulen. Ähnlich sah es Ernst Klinger (FDP), „wir dürfen uns nicht aus der Gesamtverantwortung nehmen“. Ralf Lauterbach (AL) fand es gut, dass sich die Gemeinde etwas zurücknimmt und den Initiatoren eben die Initiative überlässt. „Die Opfer sind nicht mehr entpersonalisiert, wenn wir über deren Namen stolpern“. Die Verlegung der Messing-Stolpersteine solle am Abend oder am Wochenende stattfinden, damit viele daran teilnehmen könnten. Einstimmig wurde dem Antrag stattgegeben und das Projekt vom Gemeinderat gutgeheißen. Eine Informationsveranstaltung am 9. Juni unterrichtete die Bevölkerung im Detail. (fi)