Gemeinde Sandhausen

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Öffentliche Gemeinderatssitzung vom 30.05.2022

Artikel erschienen am 10.06.2022

Rückkehr in den Großen Sitzungssaal
Gemeinderat stellte wichtige Weichen für die Zukunft / Vereine erhalten zusätzliche finanzielle Unterstützung

Erstmals seit rund zwei Jahren tagten die Gemeinderatsmitglieder in der vergangenen Woche wieder im Großen Sitzungssaal des Rathauses. Corona-bedingt hatten die Gemeinderatssitzungen seit Juni 2020 in der Festhalle stattfinden müssen. Bürgermeister Hakan Günes drückte in seiner Begrüßung seine Freude über die Rückkehr in den Ratssaal aus, der in der Zwischenzeit mit neuer Medientechnik ausgestattet worden war.
Auf der Tagesordnung standen gleich mehrere richtungsweisende Themen, darunter die Erstellung eines Konzeptes für den „Sandhäuser Zukunftswald“, die Einführung eines Ortstarifes im innerörtlichen Busverkehr, die Ausstattung der Friedrich-Ebert-Werkrealschule mit neuer Medientechnik und die Umgestaltung des Rathausvorplatzes. Zudem stimmten die Gemeinderatsmitglieder über eine zusätzliche finanzielle Unterstützung für die Sandhäuser Vereine ab.

Erstmals seit rund zwei Jahren tagte der Gemeinderat wieder im Großen Sitzungssaal des Rathauses. Fotos: Jochen Denker/Gemeinde Sandhausen
Erstmals seit rund zwei Jahren tagte der Gemeinderat wieder im Großen Sitzungssaal des Rathauses. Fotos: Jochen Denker/Gemeinde Sandhausen

Sandhäuser Zukunftswald: Arbeitsgruppe soll Konzept umsetzen

Der Klimawandel hat immer stärkere Auswirkungen auf den Sandhäuser Gemeindewald und stellt diesen vor große Herausforderungen. „Unser Wald, der für die Sandhäuserinnen und Sandhäuser ein wichtiger Naherholungsort ist, befindet sich im Wandel“, fasste Bürgermeister Hakan Günes das Problem in Worte. Aufgrund der Trockenheit leidet die Kiefer als Hauptbaumart massiv und stirbt flächig ab, auch die Buche ist stark betroffen. „Wir müssen uns deshalb klare Ziele setzen und sicherstellen, dass unser Wald als intaktes Ökosystem erhalten bleibt“, so Günes weiter. Er erinnerte an die beiden Waldbegehungen im vergangenen Herbst, bei denen bereits viele Anregungen seitens des Gemeinderats und der Bevölkerung an die Verwaltung herangetragen worden waren.
Um den Gemeindewald an diese neuen Bedingungen anzupassen, soll ein Konzept mit dem Titel „Sandhäuser Zukunftswald“ erarbeitet werden. Hierin sollen zentrale Grundsätze für den Umgang mit dem Wald festgelegt werden, die bei der Bewirtschaftung zukünftig berücksichtigt werden. Dabei sollen auch die Interessen der unterschiedlichen Waldnutzer in Einklang gebracht werden – vom Spaziergänger bis zum Brennholzkunden. In diesem Zuge sollen zudem Waldflächen benannt werden, die vorrangig Naturschutzfunktionen haben.
Für die Umsetzung des neuen Konzepts empfahl die Verwaltung die Einrichtung einer Arbeitsgruppe. Diese soll aus je einem Vertreter der vier Gemeinderatsfraktionen bestehen. Diese politischen Entscheidungsträger werden durch je einen Vertreter der Ortsgruppen des NABU und des BUND sowie der Jägerschaft beraten. Seitens der Verwaltung werden Klimaschutzmanagerin Teresa Schlemmer und Bürgermeister Hakan Günes vertreten sein. Geplant ist eine breite Beteiligung der Öffentlichkeit.
Nicole Heidinger signalisierte seitens der CDU-Fraktion die „volle Unterstützung“ für den Verwaltungsvorschlag. Die Bildung einer Arbeitsgruppe habe oberste Priorität, sagte sie. Unterstützung kam auch von der SPD-Fraktion: „Wir freuen uns, dass eine Arbeitsgruppe geschaffen wird“, erklärte Thorsten Krämer. Lob gab es seitens der FDP-Fraktion für den Vorschlag, die Bürgerinnen und Bürger zu beteiligen. „Wir müssen alle mitnehmen“, sagte Georg Diem. Beate Würzer (GAL-Fraktion) begrüßte ebenfalls die geplante Öffentlichkeitsbeteiligung und bezeichnete die Zusammensetzung der Arbeitsgruppe als „sehr gelungenen Ansatz“. Sie regte an, auch die Anliegergemeinden mit ins Boot zu holen, da nicht nur der Sandhäuser Gemeindewald vom Klimawandel betroffen sei. Die Zustimmung für den Grundsatzbeschluss erfolgte einstimmig.

Der Klimawandel stellt den Sandhäuser Wald vor große Herausforderungen.
Der Klimawandel stellt den Sandhäuser Wald vor große Herausforderungen.

Neuer Ortstarif für innerörtlichen Verkehr beschlossen
Zum 1. Januar 2023 gilt in Sandhausen ein neuer Ortstarif für Busfahrten. Darauf einigten sich die Gemeinderatsmitglieder einstimmig in ihrer jüngsten Sitzung. Ab dem kommenden Jahr kosten Einzeltickets für innerörtliche Fahrten aller in Sandhausen verkehrender Linien für Erwachsene nur noch 1 Euro. Bürgermeister Hakan Günes verwies vor der Abstimmung auf den Koalitionsvertrag der aktuellen Landesregierung – darin seien die Kommunen angehalten, „günstige Tickets“ anzubieten. Er ging dabei auch auf die Diskussion um einen kostenlosen Nahverkehr ein: „Eine Leistung muss immer auch eine Gegenleistung haben. In Sandhausen haben wir in der Vergangenheit gut gewirtschaftet. Deshalb werden wir auch in Zukunft Ausgaben und Kosten stets im Blick haben.“
Gerd Schneider von der CDU-Fraktion begrüßte die Einführung des neuen Ortstarifes mit „einem freudigen und einem weinenden“ Auge. Schließlich habe er sich in den vergangenen Jahren mehrfach für einen kostenlosen Ortsbus stark gemacht. „Mobilität ist kein Menschenrecht, aber wichtig“, erklärte SPD-Gemeinderat Thomas Schulze. Er sei mit dem niedrigen Preis für ein Ticket sehr einverstanden. Er betonte, dass der ÖPNV nicht umweltfreundlicher sei als Fahrradfahren. Daher dürfe das Angebot nicht komplett kostenlos sein.
Ernst Klinger signalisierte die Zustimmung der FDP-Fraktion, mahnte aber, dass der Personennahverkehr attraktiv gestaltet werden müsse. Beim Thema Schülerverkehr appellierte er an die Eltern, ihre Kinder zu Fuß zur Schule laufen zu lassen. Lukas Öfele (GAL-Fraktion) schloss sich seinen Vorrednern an und begrüßte den vergünstigten Ortstarif als wichtiges Signal. Dennoch glaube er persönlich nicht, dass nun mehr Menschen in Sandhausen den Bus nehmen würden – eine Verbesserung der Taktung würde seiner Meinung nach mehr Fahrgäste bringen.

Zum 1. Januar 2023 gilt in Sandhausen ein neuer Ortstarif für Busfahrten.
Zum 1. Januar 2023 gilt in Sandhausen ein neuer Ortstarif für Busfahrten.

Sandhäuser Vereine erhalten zusätzliche finanzielle Unterstützung
Ebenfalls einstimmig haben die Gemeinderatsmitglieder einem Corona-Paket für die Sandhäuser Vereine zugestimmt. Diese erhalten einen zusätzlichen finanziellen Zuschuss. „Die Corona-Krise hat nicht nur das öffentliche Leben der letzten beiden Jahre, sondern vor allem auch das Vereinsleben vollkommen zum Erliegen gebracht“, erklärte Bürgermeister Hakan Günes. Um die finanziellen Auswirkungen durch die Corona-Maßnahmen abzufedern, wolle man die Vereine zusätzlich zur regulären, jährlichen Vereinsförderung durch eine Einmalzahlung unterstützen. Günes verband seine Ausführungen mit einem „großen Dank“ an alle ehrenamtlich Tätigen in Sandhausen.
Konkret sollen die Vereine gemäß der gemeldeten Mitgliederzahlen pro aktivem Mitglied 4 Euro (bis 18 Jahre) beziehungsweise 2 Euro (ab 18 Jahre) und 1 Euro (für passive Mitglieder) erhalten. Neben dieser mitgliederabhängigen Förderung sollen alle Sandhäuser Vereine zudem eine Einmalzahlung in Höhe von 400 Euro erhalten. Vereine mit eigenen zu unterhaltenden Liegenschaften erhalten zusätzlich eine Liegenschaftsförderung in Höhe von 500 Euro. Insgesamt ergibt sich so eine Fördersumme in Höhe von 42.709 Euro.
Uwe Herzog (CDU-Fraktion) gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass das Vereinsleben in den kommenden Monaten wieder aufblüht. Das Corona-Paket sei ein wichtiges „Zeichen der Anerkennung“, so Herzog. Auch Inge Maaßberg lobte im Namen der SPD-Fraktion die Arbeit der Vereine, insbesondere im Jugendbereich. Volker Liebetrau (FDP-Fraktion) sprach Bürgermeister und Verwaltung ein „dickes Lob“ für das geschnürte Corona-Paket aus. „Unsere Vereine sind für Sandhausen lebensnotwendig“, sagte er. Auch Ingrid Marc-Baier (GAL-Fraktion) stimmte zu und bezeichnete die Vereine als zentrale Orte der Freizeitgestaltung in Sandhausen. Diese seien notwendig für eine lebendige Dorfgemeinschaft.

>>> Fortsetzung folgt <<<

Sandhäuser Vereine erhalten einen zusätzlichen finanziellen Zuschuss. Foto: iStock.com/Stadtratte
Sandhäuser Vereine erhalten einen zusätzlichen finanziellen Zuschuss. Foto: iStock.com/Stadtratte