Gemeinde Sandhausen

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Öffentliche Gemeinderatssitzung 25.10.2021

Artikel erschienen am 19.11.2021

Bericht aus der jüngsten Sitzung des Gemeinderats:
Lob für Schulsozialarbeit und offene Kinder- und Jugendarbeit

Die Gemeinderäte und Bürgermeister Hakan Günes bedankten sich beim Leimener Friedrichstift ausdrücklich für dessen Leistungen und Arbeit in Zeiten der Corona-Krise.

Von Werner Popanda

Worte des Dankes und des Lobes ernteten im Gemeinderat gleich zwei Berichte des Friedrichstifts Leimen: Zum einen der aktuelle Jahresbericht zur Schulsozialarbeit an Sandhäuser Schulen, zum anderen der nicht minder aktuelle Jahresbericht zur offenen Kinder- und Jugendarbeit im Jugendzentrum „JuKiZ“. Vorgestellt wurden die beiden Berichte von Melanie Rauth-Kästel, die beim Friedrichstift die Bereiche offene Kinder- und Jugendarbeit und Schulsozialarbeit leitet, und von Tobias Metzger, dem geschäftsführenden Vorstand des Friedrichstifts. Zu deren Zuhörern zählten auch die Leiterinnen und Leiter der Schulen in Sandhausen – darunter Christa Ernst von der Friedrich-Ebert-Werkrealschule, Eva Senzig von der Pestalozzischule, Ralph Böllinger von der Theodor-Heuss-Grundschule und Peter Schnitzler vom Friedrich-Ebert-Gymnasium.

Auch am Friedrich-Ebert-Schulzentrum leistet das Friedrichstift Leimen eine Schulsozialarbeit, die auf hohe Anerkennung stößt. Foto: Popanda
Auch am Friedrich-Ebert-Schulzentrum leistet das Friedrichstift Leimen eine Schulsozialarbeit, die auf hohe Anerkennung stößt. Foto: Popanda

Gemeinsam blickten alle zurück auf die, so Melanie Rauth-Kästel, „große Krise ab März 2020“, in der aber die Gemeinde gesagt habe, dass sie trotz der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden finanziellen Probleme zur Aufstockung der Mittel für die Schulsozialarbeit stehe. Dieses Geld war nach ihren Worten gut angelegt. Denn es habe sich herausgestellt, dass die „Herausforderungen extrem groß waren“. Und auch wenn man jetzt merke, dass die „schlimmste Phase hinter uns liegt“, seien Schülerinnen und Schüler alles in allem nicht mehr so schulfähig. Sprich: „Die Drittklässler sind keine üblichen Drittklässler mehr und den Erstklässlern fehlt die Kindergartenzeit.“ Unterm Strich hätten sich laut Melanie Rauth-Kästel ganze Thematiken potenziert und verstärkt. Zum Ausdruck komme dies nicht zuletzt in „unheimlich vielen Steigerungen von psychischen Erkrankungen“. Da man aber nicht mehr über die Kapazität verfüge, müssten im Moment vor allem die Kindeswohlgefährdungen abgearbeitet werden, die gleichfalls angestiegen seien und deren Dunkelziffer jetzt langsam aufbreche.

Zugleich bescheinigte sie der Theodor-Heuss-Grundschule, mit deren Lehrkräften man sehr eng zusammengearbeitet habe, eine ganz intensive Notbetreuung geleistet und die Kinder intensiv in die Schule zurückgeholt zu haben. „Wir wissen“, so das Fazit von Melanie Rauth-Kästel, „dass das nicht selbstverständlich war, vieles ist im Moment versteckt, wird aber aufploppen.“ Im Detail war der schriftlich vorliegenden Präsentation zu entnehmen, dass sich der Bedarf vor Ort aus psychischen Störungen und Krankheitsbildern wie etwa selbstverletzenden Handlungen, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störungen (ADHS) und Suizidgefährdung ebenso ergibt wie aus einer Überforderung der Schüler unter anderem durch Fehlbeschulung und den Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung.

Bedarf bestehe sowohl bei der Beratung der Eltern über Hilfebedarf und Angebote, als auch bei Verweigerungstendenzen, Schulabsentismus oder Suchtverhalten in den Bereichen Drogen und Medien. Angesprochen wurden Defizite im Sozialverhalten und respektloses Verhalten gegenüber Lehrkräften und Schülern, Emotionen wie Wut, Frustration, Ärger und Stress. Auch Leistungsdruck und Überforderung, Mobbing und „Problemklassen“ sowie das Fehlen schulischer Räume, die eine Fokussierung auf soziales Lernen ermöglichen, wurden thematisiert. Bausteine der Schulsozialarbeit sind hier beispielsweise die Einzelfallhilfe in der Beratung von Eltern, Schülern und Lehrern, die Prävention samt Sozialkompetenztraining, Mobbingintervention und die Vernetzung mit Jugendamt, Ärzten, Therapeuten und weiteren Fachstellen. Die Pandemie habe Auswirkungen auf viele Bereiche gehabt und individuelle Problematiken verstärkt, etwa schulischen Leistungsabfall, steigendes Konfliktpotential innerhalb der Familie, psychische Auffälligkeiten und Phobien.

Herausforderungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit im „JuKiZ“ durch die Kontaktbeschränkungen waren die erschwerte Erreichbarkeit der Kinder und Jugendlichen, die eingeschränkte Teilnehmerzahl im Ferienprogramm und in der Ferienbetreuung, die nur in Kleingruppen möglichen Besuche im Jugendtreff und die regelmäßige Anpassung an die jeweiligen Verordnungen des Sozialministeriums wie Maskenpflicht und beschränkte Besucherzahlen. Angeboten wurden Gespräche in Kleingruppen sowie Krisengespräche in verschiedenen Lebenslagen, aber auch Lernprojekte in Kooperation mit der Werkrealschule, Fitness- und Kochprojekte sowie Kreativangebote. Die Fachkräfte stehen 50 Wochen jährlich als Ansprechpartner zur Verfügung. Die Öffnungszeiten werden flexibel an die täglichen Projekte wie Lernzeit, Hausaufgabenbetreuung, Sozialtraining und Mädchentreff angepasst. Die Betreuungszahlen der vergangenen zehn Monate variieren zwischen 70 und 300 Kinder und Jugendlichen monatlich. Besonders der Kindertreff werde mit steigender Intensität besucht. Weitere Projekte mit verschiedenen Kooperationsträgern sind in Planung.
Das alles nahm Bürgermeister Hakan Günes zum Anlass, sein Dankeschön an das Team des Friedrichstifts Leimen mit der Bilanz zu verbinden, dass die „gesellschaftlichen Herausforderungen in der Schule auch bei unseren Kindern und Jugendlichen steigen“. Unterm Strich seien jedenfalls die Effekte, die sich der Gemeinderat seinerzeit bei der Mittelaufstockung erhofft habe, eingetreten.

Für die CDU-Fraktion kam Gemeinderat Michael Herzog zu dem Schluss, dass die Schulsozialarbeit in heutiger Zeit nicht nur nicht mehr wegzudenken, sondern vielmehr ein „ganz tolle Sache“ sei. Daher sei er froh, dass „wir an allen Sandhäuser Schulen Schulsozialarbeit haben“. Auch die offene Kinder- und Jugendarbeit bezeichnete er als wichtiges Angebot. SPD-Fraktionsvorsitzender Thorsten Krämer freute sich, dass sich in Sandhausen Sozialarbeit, Schule und Jugendamt auf Augenhöhe begegneten. Denn nur dann könne Schulsozialarbeit bestens funktionieren. Dem Friedrichstift dankte er herzlich für dessen Arbeit, die von seiner Fraktion sehr unterstützt werde. Als Vorsitzender der Fraktion der Grün-Alternativen-Liste bewertete Ralf Lauterbach die Jahresberichte so: „Das, was wir politisch und finanziell gebahnt haben, hat seinen Weg gefunden. Wir hatten uns immer vorgestellt, dass Synergien zum Tragen kommen.“ Daher gelte für die Mittelaufstockung: „Das war, ist und bleibt gut und richtig investiertes Geld.“ Auch er dankte dem Friedrichstift für dessen Engagement und Arbeit. Namens der FDP-Fraktion hielt deren Vorsitzende Heidi Seeger fest, dass sie vom ersten Tag an begeistert von der Arbeit der Schulsozialarbeiter gewesen sei. Speziell mit Blick auf die Corona-Folgen freue sich ihre Fraktion darüber, dass die Kapazität aufgestockt und hierdurch mehr Flexibilität ermöglicht worden sei. Ihr Fraktionskollege Volker Liebetrau schickte später noch ein „dickes Lob an die Lehrerschaften“ hinterher.

- Fortsetzung folgt -