Gemeinde Sandhausen

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Öffentliche Gemeinderatssitzung 25.11.2019

- Betriebsplan für das Forstwirtschaftsjahr 2020 verabschiedet,
4.300 Neuanpflanzungen für 2020 vorgesehen -
- Forstneuorganisation des Gemeindewaldes -

Unter Bekanntgabe in nichtöffentlicher Sitzung gefasster Beschlüsse gab Bürgermeister Kletti bekannt, dass der Gemeinderat im nichtöffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung vom 28. Oktober 2019 über die Vergabe von einem gemeindeeigenen Grundstück im Baugebiet „Große Mühllach II“ Beschluss gefasst hatte. Das Grundstück befindet sich im Bürgermeister-Bertsch-Ring.
Des Weiteren gab Bürgermeister Kletti bekannt, dass der Gemeinderat in der Sitzung vom 28. Oktober mehrheitlich beschlossen hatte, die Gemeindeverwaltung zu beauftragen, einen runden Tisch vor dem Hintergrund der „zwei geplanten Trainingsplätze für das Nachwuchsleistungszentrum des SV Sandhausen“ einzurichten. Hierzu soll eine externe Moderation  erfolgen. Der  runde Tisch wird am 11. Januar 2020 das erste Mal tagen.
 
Zu den Teilnehmern gehören die jeweiligen Fraktionssprecher der im Gemeinderat vertretenen Parteien, die Sprecherin der Bürgerinitiative Pro-Waldschutz, der jeweilige Vorstand des Tennisclubs 1970, des Fußballclubs 1986 und des Sportvereins 1916 sowie seitens der Gemeindeverwaltung der Ortsbaumeister und der Bürgermeister.
 
Der Betriebsplan für das Forstwirtschaftsjahr 2020 steht und wurde in der Novembersitzung vom Gemeinderat einstimmig verabschiedet.

Bedingt durch die beiden trockenen und warmen Jahre 2018 und 2019, erörterte Revierförster Achim Freund, kommt es im Gemeindewald Sandhausen als auch in ganz Mitteleuropa zu einem Überangebot an Holz mit geringen Erlösen (34.020,00 €). Demgegenüber steigen die Ausgaben (156.130,00 €), so zum Beispiel für die Verkehrssicherung entlang der Wege, Straßen und Wohnbebauung, so dass ein Zuschussbedarf von 122.110,00 € erforderlich wird.

Aufgrund der großen verkehrssicherungspflichtigen Fläche liege, so Freund weiter, der geplante Einschlag für 2020 bei 930 Festmetern. Dennoch spiegle die Ernte nur ungenau die Zahl der abgestorbenen Bäume wieder, erklärte der Revierleiter gegenüber Gemeinderat Schulze, da auch nach der Ernte noch Totholz im Wald stehen blieb.

Derzeit habe man einen 15-%igen Kiefernanteil, einen deutlichen Zuwachs an Laubbäumen und 20-30 %igen Totholz-Anteil, schätzte Eick auf Nachfrage Gemeinderat Albrechts. 

Durch die Zuspitzung der Waldschäden müssten umfangreiche Pflanzungen von Kulturen vorgenommen werden, für die die Gemeinde 82.000,00 € zur Verfügung stellt. Hierbei setze man auf klimaresiliente Baumarten wie Winterlinde, türkische Baumhasel und Feldahorn bzw. bei den Nadelbäumen auf die korsische Schwarzkiefer und die Zeder.

„Wir investieren, um die gefällten Bäume auszugleichen.“, beschrieb Gemeinderätin Köhler die geplanten Maßnahmen, die feststellte, dass sich der Wald in einem deutlich schlechteren Zustand als noch vor 10-20 Jahren befände.

„Haben wir in der Vergangenheit auf die falschen Baumarten gesetzt“, fragte sich Gemeinderat Liebetrau, der an den früheren Einsatz von Borkenkäferfallen und anderen Mitteln erinnerte. „Die Baumartenwahl ist aus der jeweiligen Zeit richtig gewesen.“, entgegnete Forstrevierleiter Eick. Inzwischen sei die Kiefer nicht mehr, wie noch in der Nachkriegszeit, für die Wiederaufforstung geeignet und Laubgehölze die bessere Wahl. Auch die von Liebetrau angesprochen Borkenkäferfallen verhinderten nicht deren Vermehrung, sondern dienten, so die heutige Erfahrung, dem Monitoring. Eick verwies demzufolge auf mechanische Mittel. Der Einsatz von Insektiziden im Wald sei verboten.

An den Kosten der Bewässerungsmaßnahmen würde deutlich, ergänzte Gemeinderat Lauterbach, dass der Regen nicht mehr ausreiche und appellierte daher auch aus ökonomischen Gründen in Klimaschutzmaßnahmen zu investieren. Des Weiteren regte er an Waldführungen für Bürger anzubieten, um die Unterscheidung zwischen Naturschutz- und Verkehrssicherungsmaßnahmen zu erleichtern und deren Unterstützung für Walderhaltungsmaßnahmen  einzuholen.

Rund 4300 Neuanpflanzungen würden 2020 von den veranschlagten 82.000 € gesetzt, erinnerte Bürgermeister Kletti. Vor allem entlang der Jahnstraße, wo sich der Kiefernbestand auflöse und dies direkt ins Auge springe, habe man sich für 30 Bäume entschieden, die bereits eine Größe von 3 m vorwiesen.

Als Voraussetzung für den Erfolg der Aufforstungsmaßnahmen, prognostiziert Revierleiter Eick gegenüber Gemeinderat Krämer, seien zwar ein längerer Atem und vermehrtes Wässern erforderlich, dennoch sei er optimistisch. Die Ausfallquote liege bei aktuellen Maßnahmen bei 2 %.

Das Land Baden-Württemberg strukturiert seine Forstverwaltung grundsätzlich um. Das derzeit noch bestehende Einheitsforstamt wird aufgeteilt – der Staatswald wird ab 01.01.2020 separat durch eine eigens dafür gegründete Anstalt öffentlichen Rechts (ForstBW) bewirtschaftet. Wegen der Herauslösung des Staatswaldes müssen auch die Forstreviere des Landkreises im Rahmen der Neuorganisation neu gebildet werden.

Das Dienstleistungsangebot des Kreisforstamtes umfasst künftig die forsttechnische Betriebsleitung, den Revierdienst, die Verkehrssicherungskontrollen, die Wirtschaftsverwaltung sowie den Holzverkauf.

Im Gegensatz zur bisherigen Rechtslage müssen die vom Kreisforstamt angebotenen Dienstleistungen künftig zu Gestehungskosten angeboten werden, da die bisherige Subventionierung untersagt wurde. Stattdessen unterstützt das Land künftig die Kommunalwälder für die Erbringung der Allgemeinwohldienstleistungen durch einen „Mehrbelastungsausgleich“.

Auch der Holzverkauf wird als Freiwilligkeitsleistung des Kreisforstamtes durch eine kommunale Holzverkaufsstelle angeboten.

Die Verkehrssicherungspflicht in den Wäldern obliegt grundsätzlich den Waldbesitzenden, kann aber dem Kreisforstamt übertragen werden.

Durch die Neuorganisation der Forstverwaltung wird Robert Lang die Revierleitung des Gemeindewalds übernehmen.

Bürgermeister Kletti bedankte sich daher bei Revierförster Achim Freund, der künftig für den Staatswald zuständig sein wird sowie bei Forstbezirksleiter Sebastian Eick, der zum 1.3.2020 in den Ruhestand gehen wird.  - wird fortgesetzt -