„Starkregen“ – gerade in den Sommermonaten taucht dieses Schlagwort immer wieder in den Nachrichten auf. Meistens sind die Meldungen begleitet von dramatischen Bildern von überfluteten Straßen, vollgelaufenen Kellern und Menschen, die ihr Hab und Gut zu retten versuchen. Nach den Ereignissen bleiben umfangreiche Aufräumarbeiten und Schäden, die oft in die Millionen gehen. Auch Sandhausen blieb nicht verschont. Im August 2022 liefen Keller und Tiefgaragen voll und das Wasser staute sich auf den Straßen.
Starkregen ist also nichts Fernes, sondern kann jeden und jede von uns (wieder) betreffen! Und die Wissenschaft sagt voraus, dass es mit allergrößter Wahrscheinlichkeit in Zukunft immer häufiger zu Starkregenereignissen kommen wird.
So ist Starkregen definiert:
- In kurzer Zeit fallen außergewöhnliche hohe Niederschläge.
- Starkregen ist meist lokal begrenzt.
- Er kann überall auftreten und zu schnell ansteigenden Wasserständen und zu Überschwemmungen führen.
- Häufig geht Starkregen mit Bodenerosion einher.
Warum ist Starkregen so problematisch?
- Ort, Zeitpunkt und Dauer sind kaum vorhersehbar.
- Die Vorwarnzeit ist sehr kurz.
- Das Wasser fließt größtenteils oberflächlich ab.
- Hohe Fließgeschwindigkeiten reißen Treibgut und Geröll mit.
- Ansammlungen an Brücken, Zäunen und Rohren führen zu Rückstau und Überflutungen.
- Die Überlastung des Kanalsystems verursacht zusätzlichen Rückstau.
Was kann man tun?
Man kann sich so gut es geht auf Starkregenereignisse vorbereiten!
Deshalb hat die Gemeinde Sandhausen gemeinsam mit der Gemeinde Nußloch und der Stadt Leimen ein Konzept zum Starkregenrisikomanagement erarbeitet. Das Handlungskonzept hierzu wurde am 28.07.2025 vom Gemeinderat verabschiedet.
Das Konzept enthält vieles, was die Gemeinde tun kann, um die eigenen Liegenschaften zu schützen, den Wasserabfluss zu verbessern oder um das Thema Starkregenschutz bei Bebauungsplänen zu berücksichtigen. Der vielleicht wichtigste Teil ist jedoch die Information der Öffentlichkeit!
Wir haben hier für Sie viele Informationen zusammengestellt. So können Sie einschätzen, ob und wie stark Sie von Starkregen betroffen wären. Sie können sich auf Starkregenereignisse vorbereiten. Und Sie können sich informieren, was Sie im konkreten Starkregenfall tun können.
Eine andere Informationsmöglichkeit war unsere Veranstaltung zum Thema Starkregen am 16. Oktober 2025. Die Bildschirmpräsentation dieses Abends bietet einen guten Einstieg ins Thema.
Präsentation der Infoveranstaltung
Klar ist:
Es gibt die gesetzliche Pflicht zur Eigenvorsorge. Die Verantwortung bei privaten oder gewerblichen Objekten liegt bei den jeweiligen Eigentümern. Dies ergibt sich aus § 5 Absatz 2 Wasserhaushaltsgesetz: "Jede Person, die durch Hochwasser betroffen sein kann, ist im Rahmen des ihr Möglichen und Zumutbaren verpflichtet, geeignete Vorsorgemaßnahmen …zu treffen …"
Starkregengefahrenkarten
Ein wichtiges Ergebnis des Starkregenrisikomanagements sind die Starkregengefahrenkarten. Sie wurden auf der Grundlage von vorhandenen Daten zur Geländebeschaffenheit, aber auch durch Begehungen und die Miteinbeziehung von Ortskennern von einem Ingenieurbüro berechnet und erarbeitet.
Diese Karten bieten Ihnen Informationen dazu, wie hoch das Wasser bei einem Starkregen stehen würde und wie schnell und Richtung es fließen würde. Die Wasserstände sind in unterschiedlichen Blautönen dargestellt. Die Fließgeschwindigkeit und die Richtung wird mit unterschiedlich farbigen Pfeilen dargestellt.
Berechnet wurden die Karten für drei verschiedene Szenarien. Diese Szenarien wurden vom Land standardmäßig vorgegeben:
- selten (ungefähr 30-jährlich, Niederschlagsmenge: 37,6 mm)
- außergewöhnlich (ungefähr 100-jährlich, Niederschlagsmemge: 48,6 mm) und
- extrem (mehr als 100-jährlich, Niederschlagsmenge: 128 mm).
Dauer des Regens: jeweils eine Stunde, bei einem Maximum nach 30 Minuten. Das mit den Jährlichkeiten sollte man nicht zu genau nehmen. Dies ist nur ein statistischer Wert. Und die Häufigkeit von Starkregenereignissen wird höchstwahrscheinlich zunehmen. Man denke nur daran, wie oft es schon ein so genanntes „Jahrhunderthochwasser“ gab!
Nachfolgend die Starkregengefahrenkarten:
Starkregengefahrenkarte seltenes Ereignis Sandhausen Nord
Starkregengefahrenkarte seltenes Ereignis Sandhausen Süd
Starkregengefahrenkarte außergewöhnliches Ereignis Nord
Starkregengefahrenkarte außergewöhnliches Ereignis Süd
Starkregengefahrenkarte extremes Ereignis Nord
Starkregengefahrenkarte extremes Ereignis Süd
Diese Karten decken den bebauten Ortsbereich Sandhausens ab. Falls Sie gerne Einsicht in eine andere Starkregengefahrenkarte nehmen möchten, melden Sie sich gerne bei uns.
Die Starkregengefahrenkarten für Sandhausen finden Sie auch auf der Homepage der LUBW. Hier können Sie sich die Überflutungstiefe für die drei Szenarien einblenden lassen. Außerdem wird und die Fließgeschwindigkeit und Fließrichtung des Wassers dargestellt.
Tipp: Wenn Sie die Überflutungstiefe interessiert, blenden Sie am besten die Fließgeschwindigkeit aus.
Einen ersten Überblick, was Sie zur Vorsorge tun können, liefert dieses Faltblatt:
Schützen Sie Ihr Gebäude vor eindringendem Wasser
Hier sind weitere Tipps, was Sie vor dem Ereignis tun können:
1. Überprüfen Sie Ihren Versicherungsschutz
- Sind in Ihrer Elementarschadensversicherung Schäden durch Hochwasser- und Starkregenereignisse mitversichert?
- Prüfen Sie eine Zusatzdeckung für Elementarschäden. Sind Überschwemmungen durch Rückstau und ansteigendes Grundwasser mitversichert?
- Dokumentieren Sie den Ist-Zustand.
2. Halten Sie das Wasser von Ihrem Haus fern
- Leiten Sie das Wasser um durch Gräben, Wälle und Schwellen auf dem eigenen Grundstück. Wichtig: Die Umleitung darf nicht zum Nachteil der Nachbarn geschehen!
- Halten Sie das Wasser vom Haus fern durch die Schaffung von Rückhalt mit Kleinrückhalten auf Freiflächen, Versickerung, einer Zisterne, Begrünung und Entsiegelung.
3. Verhindern Sie das Eindringen von Wasser ins Haus
- Sichern Sie Kellerabgänge und Lichtschächte und bauen Sie druckdichte Fenster und Türen ein.
- Schützen Sie sich vor Oberflächenwasser durch Leitstrukturen als Aufprallschutz (z. B. kleines Mäuerchen vor eventuell betroffenen Fenstern).
- Erhöhen Sie Hauseingänge durch Treppen oder Rampen oder den Bau eines Treppenabsatzes vor dem Haus.
- Überdachungen (auch Dachüberstände) halten das vor Ort anfallende Niederschlagswasser vom Gebäude fern.
- Besorgen Sie sich mobile Schutzelemente wie mobile Klappschotte oder bauen Sie Schutztore oder Mulden vor Einfahrten, Tiefgaragen, Fenstern und Türen ein. Eine günstige Alternative sind auch Sandsäcke. Allerdings sollten Sie dauerhafte oder automatische Lösungen bevorzugen, da Starkregen plötzlich kommt.
- Schützen Sie sich vor Rückstau aus dem Kanalnetz. Rückstauklappen oder Hebeanlagen unterbrechen den Zustrom aus dem öffentlichen
- Entwässerungssystem in das Gebäude. Reinigen Sie diese regelmäßig, sorgen Sie für Wartung und überprüfen Sie die Funktionsfähigkeit. Ohne einen solchen Schutz erhalten Sie keine Leistung von der Versicherung im Schadensfall.
- Berücksichtigen Sie die Überlastung der Dachentwässerung, also reinigen Sie regelmäßig die Regenrinnen.
- Dichten Sie den Boden (Vorsicht vor Auftriebsschäden) und die Außenwände ab. Wassereintritt durch undichte Fugen sorgt für Feuchtigkeitsschäden mit Auswirkungen auf die Bausubstanz.
- Dichten Sie Leitungsdurchführungen ab, vor allem die ins Haus.
4. Minimieren Sie Schäden
- Sichern Sie Ihren Heizöltank fachgerecht und beachten Sie dabei die Statik des Gebäudes.
- Hohe Werte oder Elektroinstallationen sollten außerhalb der möglichen Reichweite des Wassers angeordnet werden.
- Die Strom-, bzw. Gasabschaltung sollte auch außerhalb des Überflutungsbereichs im Gebäude ermöglicht werden.
- Verwenden Sie wasserresistente Baumaterialien.
- Wassermelder geben Alarm, wenn sie in Berührung mit Feuchtigkeit oder Wasser kommen und machen so ein rechtzeitiges Ausweichen, zum Beispiel in höhere Stockwerke, möglich.
Was können Sie sonst noch vor dem Starkregenereignis tun?
1. Erstellen Sie einen persönlichen Alarm- und Einsatzplan.
- Organisieren Sie Hochwasserausrüstung frühzeitig.
- Halten Sie den mobilen Hochwasserschutz bereit.
- Planen Sie die Evakuierung aus gefährdeten Gebäudeteilen
- Verteilen Sie Aufgaben im Starkregenfall, auch für Ihre Urlaubszeit.
- Stellen Sie eine Grundausrüstung für den Krisenfall und ein Notgepäck zusammen.
- Sichern Sie wichtige Unterlagen, zum Beispiel durch extern gelagerte Kopien.
2. Beobachten Sie das Wetter und lassen Sie sich warnen!
Dies ist zum Beispiel auf folgenden Wegen kostenlos möglich:
- „Notfall-Informations- und Nachrichten-App (NINA)“: Über Gefahrenlagen aller Art informiert das Bundesamt für Bevölkerungsschutz.
- Die „WarnWetter-App“ des Deutschen Wetterdienstes bietet Unwetterwarnungen, sowie Hochwasser- und Starkregenwarnungen.
- Die „Meine Pegel App“ der Hochwasserzentralen bietet amtliche Wasserstands- und Hochwasserinformationen.
Die Apps gibt es für Android- und iOS-Betriebssysteme.
3. Bei konkreter Unwetterwarnung
- Sichern Sie Elektrik und Heizung.
- Schalten Sie den Strom für die Gebäudeteile und Räume ab, die vom eindringenden Wasser gefährdet beziehungsweise betroffen sind.
- Schützen Sie Ihre Wertsachen.
- Aktivieren Sie Ihren Hochwasserschutz.
- Sichern Sie Fluchtwege.
Wie sollten Sie sich während des Starkregenereignisses verhalten?
1. Schutz von Menschen und Tieren hat Priorität!
2. Bleiben Sie im Gebäude!
3. Verfolgen Sie die Wettervorhersagen des Deutschen Wetterdienstes und Meldungen der Regionalprogramme.
4. Nicht mit dem Auto durch Pfützen fahren!
5. Nur in sehr dringenden Fällen die Rettungskräfte rufen: sie sind sicher überlastet!
6. Benutzen Sie ein Mobiltelefon nur in Notfällen, um eine Überlastung des Netzes zu vermeiden!
7. Anweisungen der Rettungskräfte befolgen!
8. Überflutete Straßen und Flächen meiden!
9. In höhere Stockwerke flüchten!
10. Keine Keller und Tiefgaragen betreten; es besteht Lebensgefahr!
11. Helfen Sie Ihren Nachbarn. Achten Sie auf hilfsbedürftige Personen in der Nähe.
Was ist nach dem Ereignis zu tun?
1. Lassen Sie elektrische Installationen vor Inbetriebnahme prüfen.
2. Pumpen Sie Wasser erst dann ab, wenn kein Wasser mehr nachfließt.
3. Lassen Sie bei großen Schäden wie Unterspülung und Rissbildung die Statik prüfen.
4. Entsorgen Sie verunreinigte Gegenstände und beachten Sie die notwendigen Hygienemaßnahmen.
5. Dokumentieren Sie die Schäden mit Fotos und Videos.
6. Melden Sie die Schäden an die Versicherung.
7. Sorgen Sie für eine schnelle Trocknung mit Rat durch Fachleute um Folgeschäden zu verringern.
8. Frieren Sie wichtige feuchte Dokumente ein. Dies ermöglicht eine sichere Gefriertrocknung zu ermöglichen.
Haben Sie Fragen zum Starkregenrisikomanagement? Herr Niemann vom Ortsbauamt hilft Ihnen gerne weiter!
Wo finden Sie weitere Informationen?
Ausführliche Informationen zum Starkregenrisikomanagement in Baden-Württemberg
Hochwasserschutzfibel – Objektschutz und bauliche Vorsorge
Persönlicher Alarm- und Einsatzplan: Mein Notfallplan für Hochwasser
Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen mit persönlicher Checkliste
Notfall-Informations- und Nachrichten-App (NINA)
Verhalten bei akutem Hochwasser/Starkregen:
Informationen des Bundesamtes für Bevölkerung Und Katastrophenhilfe
Informationsgrafik „Verhalten bei akutem Hochwasser“
Verhalten nach dem Ereignis: